Manche Muster entstehen, weil ein Enkelkind ein neues Kuscheltier braucht – und Emil hat diesen kleinen Wal mittlerweile durch zwei Waschgänge und einen Sturz von der Fensterbank geprüft, ohne dass eine Naht nachgegeben hätte. Ich zeige dir hier genau die Schritte, die auf meinem Häkeltisch entstanden sind: vom Wollknäuel bis zum fertigen Wal mit hochgeschwungener Schwanzflosse. Für wen dieser Wal gedacht ist und worauf du bei den Augen achten musst, klären wir gleich zu Beginn.
Für wen dieser Wal gedacht ist
Bevor der Haken überhaupt ins Garn sticht, stelle ich mir immer dieselbe Frage: wem schenkst du diesen Wal – und wie alt ist das Kind? Das entscheidet nämlich, wie du die Augen machst, nicht erst, wenn das Tier fertig ist.
- Für Kinder ab drei Jahren: Sicherheitsaugen wie im Materialbild sind unbedenklich, solange sie fest von innen verschraubt sind.
- Für Babys und Kleinkinder unter drei Jahren: Sticke die Augen stattdessen mit schwarzem Garn auf. Kein Sicherheitsauge der Welt hält ewig gegen einen begeisterten Kauversuch.
Diese Regel ist bei mir nicht verhandelbar – dreißig Jahre Kita haben mir gezeigt, was kleine Hände mit kleinen Teilen anstellen. Der Rest des Musters bleibt gleich, egal für wen du häkelst.
Das brauchst du

Auf meinem Leinentuch liegt alles, was für diesen Wal nötig ist – nicht mehr und nicht weniger. Das blaue Garn wird der Körper, das weiße der Bauch, und die beiden kleinen schwarzen Augen warten schon neben Schere und Vernähnadel.
Ich häkle diesen Wal am liebsten mit einer Baumwoll-Wolle-Mischung, weil sie waschbar ist und trotzdem schön griffig bleibt – wichtig für ein Tier, das geknuddelt und irgendwann auch gewaschen werden will. Ein Discounter-Baumwollgarn tut hier genauso gute Dienste wie die teurere Markenware; den Unterschied merkt später niemand mehr, außer deinem Geldbeutel.
Die Maschenprobe ist bei Amigurumi kein Muss für die Größe, aber ein Muss für die Dichte: Häkle die Maschen fest genug, dass keine Füllwatte durchschimmert – sonst quillt sie später an jeder Naht heraus.
Der Fadenring und die erste kleine Flosse

Hier beginnt jedes Amigurumi: mit dem Magischen Ring, den ich auf dem Foto gerade zuziehe. In diesen Ring häkelst du die ersten festen Maschen (fM), bevor du ihn straff zusammenziehst – so bleibt kein Loch in der Mitte, egal wie oft du übst.
Aus genau diesem Ring entsteht zuerst nicht der Körper, sondern die kleine Schwanzflosse: ein paar Runden mit Zu- und Abnahmen, die am Ende die typische geschwungene Form ergeben. Wer hier zum ersten Mal einen Fadenring legt, verheddert sich meistens beim Festziehen – halb so schlimm, einmal mehr ziehen, dann sitzt er.
- Fadenring legen und 6 fM hineinhäkeln.
- Ring zuziehen, bis kein Loch mehr sichtbar ist.
- In Runden weiterarbeiten, bis die Flosse ihre Form hat.
Der Körper wächst Runde für Runde

Auf diesem Foto siehst du genau die Stelle, an der aus einem flachen Kreis eine kleine Schale wird – und aus der Schale später ein runder Wal-Bauch. Die Zunahmerunden sind hier noch gut zu erkennen, bevor die Seitenwände gerade weiterlaufen.
Ich häkle den Körper in durchgehenden Runden ohne Kettmasche, mit einem Maschenmarkierer am Rundenanfang – sonst verlierst du irgendwann die Übersicht, und genau das passiert fast jedem einmal. Zähle nach jeder Runde die Maschen; steht am Ende eine Zahl in der Klammer, die nicht stimmt, ist es leichter, jetzt zurückzugehen als später am fertigen Wal.
Wichtig: Die Wände bleiben unten und in der Mitte offen für die Füllwatte – erst ganz oben nimmst du wieder ab, um die Öffnung zu verkleinern.
Sicherheitsaugen setzen und stopfen

Jetzt kommt der Moment, den ich immer als kleinen Meilenstein empfinde: aus der leeren Kugel wird ein Gesicht. Auf dem Bild siehst du, wie ich das Auge von außen einsetze, bevor der Sicherungsring von innen aufgesteckt wird – erst jetzt, nicht später, denn danach kommst du an die Rückseite nicht mehr heran.
Setze die Augen probeweise mit einer Stecknadel und schau dir den Wal aus mehreren Winkeln an, bevor du dich endgültig festlegst – ein halber Zentimeter Abstand verändert den ganzen Ausdruck.
- Erst Augen, dann stopfen: Fülle die Watte gleichmäßig und in kleinen Portionen ein, damit keine Beulen entstehen.
- Fest, aber nicht hart: Der Wal soll sich noch angenehm drücken lassen.
- Flossen und Bauch liegen bereit und werden erst im nächsten Schritt angesetzt.
Bauch, Flossen und die Nähte, die alles zusammenhalten

Auf diesem Foto ist der Wal schon fast erkennbar: Die Schwanzflosse sitzt, der weiße Bauch liegt an, und ich vernähe gerade die letzten Zentimeter mit der Wollnadel. Der Faden hängt noch heraus – genau so ehrlich sieht ein Amigurumi aus, kurz bevor es fertig ist.
Ich stecke jedes Teil zuerst mit ein bis zwei Stichen fest und schaue mir den Wal von vorne an, bevor ich richtig festnähe – Symmetrie lässt sich vorher noch korrigieren, danach nur noch mit viel Auftrennen.
Die Naht führe ich als unsichtbaren Matratzenstich von innen durch beide Maschenreihen, sodass später kein Garn quer über die Rundungen läuft. So hält die Verbindung auch das aus, was Emil ihr in Dresden regelmäßig zumutet: fallen lassen, tragen, gegen die Wand werfen.
Der fertige Wal – und wie er auf die Reise geht

So sitzt er nun auf meinem Leinentuch, mit dem Garnknäuel und der Nadel als kleine Erinnerung daran, wie viel Arbeit in diesen zehn Zentimetern steckt. Die Schwanzflosse schwingt nach oben, der weiße Bauch sitzt sauber gegen das Blau – genau das Bild, das ich mir zu Beginn vorgestellt hatte.
Pflege und Verpacken
Wasche den Wal bei 30 Grad im Schonwaschgang und lass ihn liegend trocknen, dann behält er seine Form. Für den Versand wickle ich ihn in etwas Seidenpapier und packe ihn in eine kleine Schachtel – zusammen mit einer handgeschriebenen Karte ist das Paket fertig.

- Material
- Werkzeug

Häufig gestellte Fragen
Welche Wolle eignet sich am besten für den Wal?
Ich nehme ein Baumwoll-Wolle-Mischgarn mit rund 125 m Lauflänge auf 50 g, weil es waschbar ist und die Maschen schön gleichmäßig hält. Ein Discounter-Baumwollgarn funktioniert genauso gut wie Markenware.
Kann ich den Wal auch ohne Sicherheitsaugen häkeln?
Ja, und für Kinder unter drei Jahren ist das sogar Pflicht: Stick die Augen einfach mit schwarzem Garn in kleinen Kreisen auf, statt Sicherheitsaugen zu verwenden.
Wie viele Abende brauche ich für diesen Wal?
Rechne mit zwei gemütlichen Abenden – einer für Körper und Flossen, einer für Stopfen, Augen und das Zusammennähen.
Dieser Wal ist genau das, was ich unter einem echten Häkelpost-Geschenk verstehe: klein genug für eine Hand, robust genug für einen Kindergartenalltag, und mit genug Charakter, dass er nicht im Regal verstaubt. Und jetzt: einpacken, verschicken, Freude machen. Deine Martina 📮🧶








ich finde den Wal superschön. Würde gerne eine Anleitung haben wollen. Würdest du sie mir zur Verfügung stellen?
Liebe Grüße
Gisela
Was muss ich machen, um die zu bekommen?