Ich häkle seit Jahrzehnten Eierwärmer, Mützen und Babyschuhe – aber neulich fragte mich meine Testrunde, ob es nicht auch ein kleines Etui für die AirPods geben könnte, so klein wie ein Fingerhut und trotzdem verschenkbar. Herausgekommen ist dieses Rehkitz-Körbchen, das genau auf ein Ladecase passt und auf dem Küchentisch mehr Aufsehen erregt als mein letzter Adventskalender. Ich zeige dir jeden Schritt, so wie ich ihn selbst gehäkelt habe, mit allen kleinen Stolperstellen inklusive.
Das Material: Was auf meinem Küchentisch liegt

Bevor die erste Masche fällt, kommt bei mir immer das Gleiche: alles auf den Tisch, alles anfassen, alles zählen. Für dieses Körbchen brauchst du gar nicht viel Wolle – das ist ein Restegarn-Projekt par excellence, wie ich sie liebe, weil am Ende drei kleine Knäuel übrigbleiben und niemand ein schlechtes Gewissen haben muss.
- Taupe: die Hauptfarbe für Körper, Ohren und Geweih
- Creme: für den Gesichtspatch
- Dunkelbraun und ein Rest Weiß: für Details und die kleinen Perlpunkte
- Häkelnadel 2,5mm: für ein dichtes, blickdichtes Maschenbild
Und ja, das AirPods Case liegt von Anfang an daneben – nicht zum Zieren, sondern als Maßband. Ich häkle grundsätzlich am Original entlang, nicht nach Gefühl, das erspart dir am Ende das Auftrennen.
Der Boden: Alles beginnt im Fadenring

Wie fast jedes Amigurumi startet auch dieses Körbchen im Magischen Ring (Fadenring). Ich häkle 6 feste Maschen (fM) hinein, ziehe den Ring zu und nehme in der zweiten Runde in jeder Masche zu, bis ich bei 12 stehe. Runde drei: abwechselnd 1 fM, 1 Zunahme – macht 18. So arbeite ich mich in kleinen, klar gezählten Schritten nach außen, bis der Boden genau den Durchmesser des Ladecase hat.
Auf dem Foto siehst du, wie flach und unscheinbar dieser erste Kreis noch aussieht – kaum größer als eine Zwei-Euro-Münze. Genau hier höre ich die häufigste Frage meiner Testrunde: 'Meine Runde wird wellig, was mache ich falsch?' Meistens: zu viele Zunahmen. Zähl lieber einmal zu oft nach, als hinterher einen Schüsseldeckel zu häkeln statt einen Boden.
Die Wand hochhäkeln: Spirale ohne Wenden

Sobald der Boden die richtige Größe hat, häkle ich ohne weitere Zunahmen in Spiralrunden nach oben – einfach feste Masche in feste Masche, Runde für Runde, ohne Kettmasche zum Schließen. Das ergibt die typische, nahtlose Amigurumi-Optik, die du auf dem Foto an der gleichmäßigen Wand schon erkennst.
Eine Maschenprobe lohnt sich hier tatsächlich: Häkelst du zu locker, wird die Wand wabbelig und das Case fällt beim Herausnehmen fast heraus. Häkelst du zu fest, wird die Öffnung zu eng. Ich teste immer erst 10 Maschen und 10 Runden, bevor ich weiterarbeite.
Ich häkle so lange gerade nach oben, bis die Wand etwas höher ist als das AirPods Case selbst – so bleibt später noch Stoff für die Klappe übrig, die das Case sicher verschließt.
Das Gesicht entsteht: Der cremefarbene Patch

Jetzt wird es niedlich: Ein kleines ovales Teil in Creme wird separat gehäkelt und dann direkt auf die untere Vorderseite des Körpers aufgenäht – genau das siehst du hier, während die Nadel den Patch Stich für Stich fixiert.
- Position zuerst abstecken: ich hefte den Patch mit ein, zwei Stichen provisorisch fest, bevor ich richtig nähe
- Flach und faltenfrei annähen: lieber öfter einstechen als große Stiche riskieren
- Fäden nicht abschneiden: sie werden gleich für die Stickerei weiterverwendet
Noch ist das Gesicht ein leeres, cremefarbenes Oval ohne jeden Ausdruck – das ändert sich im nächsten Schritt schlagartig.
Augen und Nase sticken: Hier bekommt es Charakter

Dieser Moment entscheidet über den ganzen Charme des Körbchens. Mit einem Rest Dunkelbraun sticke ich zwei geschlossene, geschwungene Wimpernlinien – für den schläfrigen Rehkitz-Blick, den du auf dem Foto schon erahnst – und darunter ein kleines Dreieck in Schwarz oder Dunkelbraun als Näschen.
Ich sticke Augen bei jedem meiner Designs von Hand, nicht nur bei Babysachen – Sicherheitsaugen aus Kunststoff haben auf einem Etui, das ständig in Taschen und Rucksäcken landet, ohnehin nichts verloren, und sie könnten sich lösen. Bei diesem Case ist das reine Formsache, aber die Regel sitzt bei mir so tief, dass ich sie gar nicht mehr abstelle.
Ein Tipp aus der Testrunde: Steche erst probeweise mit einer Stecknadel die Linien vor, bevor du mit dem Garn arbeitest – dann sitzen beide Augen wirklich symmetrisch.
Die Ohren: Klein, aber entscheidend für den Ausdruck

Zwei winzige Ohren, jedes mit einem cremefarbenen Innenteil, liegen hier bereits fertig neben dem Körper – kleiner Aufwand, große Wirkung. Ich häkle sie flach in Kurzreihen und hefte das Creme-Teil mit wenigen Stichen mittig ein.
- Form: leicht spitz zulaufend, wie kleine Blütenblätter
- Größe: etwa daumennagelgroß, größer wirkt schnell unproportioniert
- Befestigung: seitlich oben am Körper annähen, leicht nach vorne geneigt für den wachen Ausdruck
Wer möchte, kann hier auch Restgarn in einer anderen Nuance einsetzen – genau dafür sind meine Wollkisten mit Einzelknäueln überhaupt erst entstanden.
Die Geweih-Klappe: Der Deckel bekommt Struktur

Zwei Zacken, ein Verschluss
Die Klappe, die später über die AirPods gelegt wird, häkle ich in Taupe als zwei zusammenhängende, spitz zulaufende Zacken – das Geweih, das dem Körbchen seinen Rehkitz-Charakter gibt. Am Rand steche ich kleine weiße Punkte in Perloptik ein, wie kleine Lichtreflexe im Fell.
Noch ist der Deckel lose, wie du auf dem Foto siehst – er wird erst im letzten Schritt an der Rückseite der oberen Kante befestigt, sodass er sich wie eine Klappe nach vorne über die Öffnung legen lässt. Diese Reihenfolge ist wichtig: erst fertig häkeln, dann exakt mittig annähen, sonst sitzt das Geweih am Ende schief.
Fertig: Das Rehkitz hält die AirPods bereit

Und da ist es: geschlossener Körper, schläfriges Gesicht, wache Ohren, das Geweih obendrauf – und die AirPods gucken frech aus der Öffnung heraus, so wie auf dem letzten Foto. Genau in diesem Moment, wenn das fertige Stück auf dem Tisch steht und plötzlich ein Gesicht hat, weiß ich jedes Mal wieder, warum ich das mache.
Zum Schluss noch das Wichtigste: alle losen Fäden sauber vernähen, nicht nur verknoten – ein Case, das ständig ein- und ausgepackt wird, braucht Nähte, die halten. Waschen kannst du es bei Bedarf per Hand mit lauwarmem Wasser; die Baumwolle verzeiht das gut, solange du es liegend trocknen lässt.
Verschenken statt behalten
Bei mir landet so ein Körbchen selten in der eigenen Tasche – es wandert stattdessen in braunes Packpapier, bekommt eine Briefmarke und geht auf die Reise, meistens zu Paul, der solche kleinen, unauffälligen Dinge überraschend gerne annimmt. Ein AirPods Case ist klein genug, um als Mitbringsel in jeden Briefumschlag zu passen, und persönlich genug, um wie ein richtiges Geschenk zu wirken.
Wer mag, häkelt gleich ein zweites in einer anderen Farbe für sich selbst – als kleine Belohnung fürs Durchhalten bei der Stickerei.

- Material
- Werkzeug

Kurz zusammengefasst
So ein kleines Stück, und doch steckt die ganze Häkelpost-Idee darin: aus ein bisschen Restgarn wird etwas, das jemand gerne öffnet. Häkle es, verschick es, und schreib mir gerne, welches Tier als Nächstes ein Case bekommen soll.
Häufige Fragen
Welche Wolle eignet sich am besten für das AirPods Case?
Ich empfehle reine Baumwolle mit einer Lauflänge von etwa 125 Metern pro 50 Gramm. Sie hält die Form gut, ist waschbar und lässt sich sauber besticken – Discounter-Baumwolle funktioniert hier genauso gut wie teurere Marken.
Passt die Anleitung auch für andere Kopfhörer-Modelle?
Ja, solange du dich beim Häkeln am tatsächlichen Case orientierst und die Rundenanzahl nach Durchmesser und Höhe anpasst, statt starr nach Zahl zu häkeln. Ich lege das Original bei jedem Schritt daneben und probiere zwischendurch an.
Wie lange dauert das Projekt insgesamt?
Rechne mit zwei bis drei gemütlichen Abenden – einer für Boden und Wand, einer für Gesicht und Stickerei, einer für Ohren, Geweih und Zusammennähen.





