Neulich bei unserer Häkelrunde am Donnerstag erzählte Karin von ihrem Enkel, der gerade in die Trotzphase kommt – ein kleiner Teufel hat sie ihn genannt, mit dem Lächeln, das nur Omas draufhaben. Da wusste ich, was als Nächstes aus meinem Wollkorb wandert: ein Mini-Teufel, kaum größer als eine Mandarine, mit Hörnchen, Flügeln und Schwänzchen. Er ist in ein bis zwei gemütlichen Abenden fertig und eignet sich wunderbar als frecher Mitbringsel – zu Halloween, aber ehrlich gesagt auch das ganze Jahr, wenn jemand in deinem Leben gerade ein bisschen frech ist.
Materialien & Anfang: Der magische Ring macht den Kopf

Für diesen kleinen Kerl brauchst du nicht viel Garn, aber die richtige Nadelstärke: Ich häkle ihn mit Baumwollgarn in Rot und Schwarz und einer Häkelnadel von 2,0 bis 2,5 mm.
- Baumwollgarn Rot und Schwarz – waschbar, robust, hält die Form
- Sicherheitsaugen 6 mm – für das freche Gesicht
- Füllwatte, Wollnadel, Schere – die üblichen Verdächtigen
Du startest mit einem magischen Ring und häkelst darin sechs feste Maschen – genau das siehst du auf dem Foto, der Faden liegt noch locker um die Nadel. Zieh das Fadenende am Ende gut zu, sonst bleibt in der Mitte ein kleines Loch, durch das später die Füllung blitzt.
Eine klassische Maschenprobe brauchst du hier nicht, aber häkle ruhig etwas fester als sonst gewohnt – lässt du die Maschen zu locker, schaut die Watte durch, und das sieht bei einem so kleinen Wesen schnell schlampig aus statt niedlich.
Kopf vergrößern: Runde für Runde tiefer werden

In Runde 2 nimmt der Kopf Form an – du häkelst weitere Runden in Rot und nimmst dabei gleichmäßig zu, bis aus der flachen Scheibe eine schöne runde Kuppel wird, so wie im Foto zu sehen.
Zähle deine Maschen am Ende jeder Runde und schreib sie dir notfalls auf einen Zettel – ich mache das nach 45 Jahren Häkeln noch immer, denn eine verzählte Runde sieht man dem fertigen Kopf später an, und dann ist er schief statt rund.
Die Zunahmen verteilst du am besten so gleichmäßig wie möglich über die Runde, nicht alle hintereinander – sonst bekommt der Kopf eine Ecke statt einer Wölbung. Bei diesem Mini-Format machst du davon nur wenige, denn der Kopf soll niedlich klein bleiben, nicht wie ein Fußball.
Kopf fertigstellen: Gesicht und Sicherheit zuerst

Jetzt wird gestopft, geschlossen und das Gesicht angebracht – der Teil, in dem aus einer roten Kugel plötzlich ein Charakter entsteht.
- Kopf stopfen – fest, aber nicht zu prall, sonst verzieht sich die Rundung
- Öffnung schließen mit der unsichtbaren Abnahme
- Sicher vernähen, Fäden ordentlich einziehen
- Augen anbringen mit den 6-mm-Sicherheitsaugen
- Mund aufsticken mit Schwarz
Hier mein üblicher, aber wichtiger Hinweis aus 32 Jahren Kita-Erfahrung: Sicherheitsaugen sind für Erwachsene und größere Kinder völlig unbedenklich, aber wandert der Teufel in die Hände eines Kindes unter drei Jahren, sticke die Augen lieber mit Garn auf statt sie einzuklinken – kleine Kunststoffteile haben in Babyhänden nichts zu suchen, egal wie fest sie sitzen.
Körper häkeln: Die Basis für den kleinen Teufel

Der Körper entsteht genauso wie der Kopf – häkeln, stopfen, Faden vernähen –, nur bleibt er niedriger, damit die Proportionen stimmen und der Teufel nicht wie auf Stelzen wirkt.
Wichtig ist der letzte Schritt im Foto: Kopf und Körper werden ausgerichtet und mittig vernäht. Ich stecke beide Teile vorher mit ein paar Nadeln zusammen und schaue von allen Seiten, ob der Kopf gerade sitzt, bevor ich den ersten Stich mache – einmal angenäht ist er nur mit viel Geduld wieder zu korrigieren.
- Fest und mittig annähen – sonst kippt der Kopf später zur Seite
- Rundum vernähen, nicht nur an ein paar Punkten – das hält die Belastung aus, wenn der Teufel mal hingelegt oder hochgehoben wird
Arme anbringen: Seitlich und fest

Zwei winzige Arme, seitlich angenäht – und schon sieht das rote Kügelchen aus wie eine kleine Figur mit eigenem Willen. Beide Arme häkelst du identisch, dann geht es ans Annähen.
Erster Arm links, zweiter Arm rechts, ungefähr auf gleicher Höhe – ich orientiere mich dabei immer an der Augenhöhe, das wirkt am natürlichsten. Auch wenn dieser kleine Teufel eher zum Hinstellen als zum Erobern des Sandkastens gedacht ist, nähe ich Arme so fest an, wie ich es bei jedem Spielzeug tue, das mir jemals in Kinderhände geraten ist: mehrfach rundherum, Faden gut vernäht, kein Wackeln.
Wenn ein Arm später schief hängt, ist das übrigens kein Fehler, sondern Charakter – meine Testrunde nennt solche kleinen Unregelmäßigkeiten liebevoll die Handschrift des Häkelnden.
Beine annähen: Damit er sicher sitzt

Die Beine kommen vorne unten an den Körper, dicht nebeneinander – so, wie es das Foto zeigt. Genau diese Position entscheidet später, ob der Teufel stabil sitzt oder ständig nach hinten kippt.
So sitzt er sicher:
- Beine dicht am Körper annähen, nicht seitlich abstehend
- Gleicher Abstand zur Körpermitte auf beiden Seiten
- Vorne unten, nicht zu weit hinten – sonst kippt die Figur nach vorn
Ich setze den fertigen Teufel nach diesem Schritt immer kurz zum Test auf den Tisch. Wackelt er, korrigiere ich die Position der Beine lieber gleich, statt es später zu bereuen, wenn schon die Hörner drauf sind.
Hörner anbringen: Jetzt wird er ein richtiger Teufel

Mit den schwarzen Hörnern kippt die Figur endgültig von süß zu frech – genau der Moment, auf den dieses kleine Projekt die ganze Zeit hinarbeitet.
Beide Hörner häkelst du klein und spitz zulaufend, dann nähst du sie oben am Kopf fest, wie im Foto zu sehen: erstes Horn links, zweites Horn rechts, mit etwas Abstand zueinander.
Mein Tipp, den ich jedem in der Testrunde mitgebe: Neige beide Hörner beim Annähen ein wenig nach außen statt sie kerzengerade aufzurichten. Das sieht auf den ersten Blick unscheinbar aus, macht optisch aber den ganzen Unterschied zwischen einem steifen Kügelchen und einem Teufel mit Ausdruck.
Flügel & Schwanz: Der letzte Schliff

Flügel und Schwanz sind der Teil, den ich am liebsten häkle – hier zeigt sich, dass ein kleines Amigurumi auch mit wenig Aufwand richtig lebendig werden kann.
- Zwei kleine Flügel häkeln, flach, mit angedeuteten Zacken oben
- Einen schmalen Schwanz häkeln, der sich leicht schwungvoll biegt
- Flügel hinten am Körper annähen, leicht schräg nach außen
- Schwanz unten hinten ansetzen, so dass er frei zur Seite fällt
Näh die Flügel nicht ganz flach an, sondern lass sie ein kleines bisschen abstehen – dadurch wirkt der Teufel, als würde er gleich losflattern, statt bloß dazustehen. Genau dieser Wackelfaktor macht am Ende den Unterschied zwischen brav und frech.
Fertig: Dein Mini-Teufel ist bereit zum Verschenken

Und da sitzt er: rund sechs bis sieben Zentimeter groß, mit Hörnchen, Flügelchen und einem Schwänzchen, das keck zur Seite fällt. Genau dieses Foto habe ich morgens auf dem Balkon gemacht, im schrägen Licht, das rote Baumwollgarn leuchtet darin fast wie frisch lackiert.
Zur Pflege: Baumwollgarn verträgt eine Handwäsche bei 30 Grad gut, danach liegend trocknen lassen, damit die Form erhalten bleibt – so bleibt er auch nach dem dritten Umzug von einer Fensterbank zur nächsten hübsch.
Für den Postweg wickle ich ihn in etwas Seidenpapier, packe ihn in eine kleine Schachtel und lege eine Karte dazu, auf der steht, wer hier gerade als kleiner Teufel bezeichnet wurde – meist kommt das besser an, als man denkt.
Karin hat ihren kleinen Teufel inzwischen bekommen, samt Zettel mit dem Zitat ihres Enkels darauf – sie hat ihn direkt neben die Kaffeetasse gestellt. Wenn du ihn nachhäkelst, freu ich mich über ein Foto in der Testrunde-Gruppe, egal wie schief die Hörner am Anfang noch sitzen.

- Material
- Werkzeug

Gut zu wissen: eure Fragen
Für wen ist diese Anleitung geeignet?
Mit Köpfchen – du solltest den magischen Ring, feste Maschen und einfache Zu- und Abnahmen schon einmal geübt haben. Für absolute Anfänger empfehle ich, vorher ein einfacheres Projekt aus meiner Anfänger-Kategorie zu häkeln.
Kann ich den Mini-Teufel auch für ein Baby häkeln?
Nur mit Anpassung: Ersetze die Sicherheitsaugen durch aufgestickte Augen und verzichte auf abstehende, kleine Teile wie spitze Hörner, wenn das Kind unter drei Jahre alt ist. So bleibt die Figur sicher zum Anfassen.
Muss es teures Markengarn sein?
Nein, gutes Discounter-Baumwollgarn hält die Form bei einem so kleinen Projekt genauso gut wie Markenware – bei den kleinen Mengen, die du hier brauchst, lohnt sich der Aufpreis kaum.
Wie wasche ich den fertigen Teufel?
Von Hand bei 30 Grad waschen und liegend trocknen lassen. So bleiben Form und Farbe erhalten, und er hält auch als Geschenk über Jahre etwas aus.







