Manchmal ruht bei mir die Häkelnadel, und trotzdem sitze ich am Küchentisch und bastle etwas zum Verschenken – dieses Mal keine Wolle, sondern die Blüten aus dem Schrebergarten meiner Schwester und von meinen Rosental-Spaziergängen, die den ganzen Sommer über zwischen Buchseiten gepresst wurden. Aus zwei alten Einmachgläsern und ein paar warmweißen Lichterketten wird ein Lichtobjekt, das auf jedem Fensterbrett und in jeder Geschenktüte eine gute Figur macht. Ich zeige dir genau die Reihenfolge, in der bei mir zu Hause aus leeren Gläsern und einer Tüte Blüten zwei kleine Laternen geworden sind.
Was du für deine Blumengläser brauchst

Bevor der Kleber überhaupt aus der Tube kommt, lege ich mir bei so einem Projekt immer alles nebeneinander – genau wie beim Häkeln, wo ich auch erst Garn und Nadel bereitlege, bevor die erste Luftmasche entsteht. Auf meinem Tisch stehen zwei saubere Gläser in unterschiedlicher Größe, daneben die gepressten Blumen, transparenter Dekokleber, ein Pinsel, eine Pinzette und eine kleine Schere.
- Zwei Gläser: unterschiedliche Höhe sorgt später für ein schönes Paar
- Gepresste Blumen und Blätter: möglichst dünn und flach, sonst brechen die Blütenblätter beim Andrücken
- Dekokleber transparent: muss nach dem Trocknen glasklar bleiben
- Zwei batteriebetriebene LED-Lichterketten, warmweiß: kein Netzkabel, das ist wichtig für die spätere Handhabung
Ein Wort zur Sicherheit, weil ich das aus 32 Jahren Kita-Praxis nicht anders kann: Wenn Kinder mitbasteln, übernimm du das Arbeiten mit Schere und Kleber, die Kleinen dürfen die Blüten mit der Pinzette anreichen.
Gläser gründlich reinigen

Diesen Schritt unterschätzen viele, und genau da liegt später der Ärger, wenn sich eine Blüte wieder löst. Ich wische die Außenseite jedes Glases mit einem fusselfreien Tuch ab, bis wirklich kein Fettfilm und keine Fingerabdrücke mehr zu sehen sind. Etiketten müssen komplett runter, Kleberreste ebenfalls – am besten hilft dabei etwas warmes Spülwasser und ein bisschen Geduld beim Abrubbeln.
Lass die Gläser danach vollständig an der Luft trocknen, bevor du weitermachst. Feuchtigkeit unter der ersten Kleberschicht ist einer der häufigsten Gründe, warum sich Blüten später wellen oder milchige Flecken entstehen.
Erste Kleberschicht auftragen

Jetzt kommt der Pinsel zum Einsatz. Ich trage den Dekokleber immer abschnittsweise auf – nie das ganze Glas auf einmal, sonst trocknet die untere Hälfte an, bevor die Blüten überhaupt liegen. Eine dünne, gleichmäßige Schicht reicht völlig, dicker Auftrag führt nur zu Blasen unter den zarten Blütenblättern.
Beim Basteln gilt für mich dasselbe wie beim Häkeln: lieber eine Runde weniger festziehen als zu fest – zu viel Kleber lässt sich nicht mehr korrigieren, zu wenig kann man immer nachtragen.
Arbeite in kleinen Feldern von etwa handtellergroßer Fläche, dann bleibt genug Zeit, die Blumen in Ruhe zu platzieren, bevor der Kleber ansetzt.
Die ersten Blüten platzieren

Mit der Pinzette hebe ich jede Blüte einzeln aus der Papierablage und setze sie auf die eingeklebte Fläche. Das ist der Moment, in dem sich zeigt, wie fein gepresste Blumen wirklich sind – Gänseblümchen und die kleinen lila Blüten aus meinem Beet vertragen einen sanften Druck, dünne Farnblätter reißen dagegen schon bei zu festem Andrücken.
- Große Blüten zuerst setzen, kleine Füllblumen danach dazwischen verteilen
- Grün und Farn als Verbindung zwischen den Farbflächen nutzen
- Leicht andrücken mit der Fingerkuppe, niemals reiben
Dichter aneinander wirkt später schöner beleuchtet, also ruhig etwas großzügiger arbeiten, als es im ersten Moment nötig erscheint.
Das zweite Glas dekorieren

Am zweiten, kleineren Glas wiederholt sich der ganze Ablauf: Kleber auftragen, Blumen setzen, andrücken. Schön finde ich, dass die beiden Gläser dabei nie identisch werden – das größere trägt bei mir mehr Margeriten und Blattgrün, das kleinere wirkt dichter mit den violetten Blüten besetzt. Genau diese Unterschiede machen aus zwei Gläsern später ein echtes Paar statt zweier Kopien.
Wenn du die Gläser verschenken möchtest, plane hier ruhig etwas mehr Zeit ein und dekoriere sie bewusst unterschiedlich – eines für die beste Freundin, eines für dich selbst aufs Fensterbrett.
Blumen versiegeln

Über beide fertig belegten Gläser streiche ich noch einmal eine dünne Schicht Dekokleber – diesmal direkt über die Blüten hinweg. Diese zweite Schicht fixiert jedes einzelne Blütenblatt und schützt es später vor Staub und vor dem Ausbleichen.
Warum diese Schicht nicht fehlen darf
Ohne die Versiegelung lösen sich gerade die feinen Blattspitzen mit der Zeit ab, besonders wenn die Gläser häufiger angefasst werden. Lass beide Gläser danach vollständig durchtrocknen, am besten über Nacht – erst dann fühlt sich die Oberfläche glatt und nicht mehr klebrig an.
Lichterketten einlegen

Sind die Gläser komplett trocken, kommt der Teil, auf den ich mich beim ganzen Projekt am meisten gefreut habe. Ich lasse jede warmweiße LED-Lichterkette vorsichtig ins Glas gleiten und schiebe das Batteriefach so nach unten, dass es später unter dem Glasrand verschwindet.
- Nur batteriebetriebene Lichterketten verwenden – kein Kabel, das aus dem Glas nach außen führt
- Drähte locker aufwickeln, damit sie im Inneren nicht sichtbar aus der Blumenreihe herausragen
- Batteriefach nie ins Glas legen, sondern außen am Boden stehen oder direkt daneben liegen lassen
So bleibt die Optik ruhig, und du hast später keine Kabelenden, die zwischen den Blüten hervorblitzen.
Licht gleichmäßig verteilen

Kette einschalten – und schon an dieser Stelle merke ich jedes Mal, wie sich die ganze Küche verändert. Mit den Fingern schiebe ich die LEDs im Glasinneren so zurecht, dass sie nicht alle auf einem Haufen liegen, sondern gleichmäßig von unten bis oben verteilt sind.
Halte das Glas dabei kurz gegen das Licht und schau von außen drauf: überall dort, wo eine LED direkt hinter einer Blüte sitzt, leuchtet das Blütenblatt später besonders schön durch. Genau diese kleinen hellen Punkte machen am Ende den Unterschied zwischen einem hübschen Glas und einem richtig stimmungsvollen.
So leuchten die Gläser am Abend

Im Dunkeln zeigt sich erst, wofür sich die ganze Arbeit gelohnt hat. Die Blüten werfen feine Schatten durch das Glas, die kleinen Lichtpunkte blitzen zwischen Margeriten und Farnblättern hindurch, und beide Gläser zusammen ergeben eine ruhige, warme Lichtquelle für den Abendtisch.
Bei mir wandert eines der beiden meist direkt in eine Geschenktüte – zum Muttertag oder einfach so zwischendurch, verpackt mit etwas Seidenpapier auf meinem Packtisch. Das andere bleibt bei mir auf der Fensterbank stehen, bis der nächste Anlass zum Verschenken kommt.
Aus zwei leeren Einmachgläsern, einer Tüte Sommerblüten und ein bisschen Geduld wird ein Lichtobjekt, das länger hält als die Blumen im Beet. Wenn beide Gläser nebeneinander leuchten, weiß ich jedes Mal wieder, warum ich solche Nachmittage am Küchentisch so mag.

- Material

Gut zu wissen: eure Fragen
Kann ich gekaufte gepresste Blumen statt selbst gepresster verwenden?
Ja, das funktioniert genauso gut. Achte nur darauf, dass sie flach und trocken sind, dann haften sie im Kleber genauso zuverlässig wie selbst gepresste aus dem eigenen Garten.
Wie lange sind die Blumengläser haltbar?
Bei mir stehen ähnliche Gläser inzwischen über ein Jahr im Regal. Solange die Gläser nicht in direkter Sonne stehen, bleiben die Farben erstaunlich lange schön, verblassen aber mit der Zeit leicht – das gehört zum natürlichen Charme dazu.
Darf ich die Gläser abwischen, ohne die Blumen zu beschädigen?
Ja, ein leicht feuchtes Tuch reicht für die Außenseite, sofern die zweite Kleberschicht vollständig durchgetrocknet ist. Auf Scheuermittel oder starken Druck würde ich aber verzichten.






